Die letzte Vollversammlung des Ingolstädter Stadtrates ist zwar bereits drei Wochen her, die Geschehnisse vom 18. Dezember 2025 wirken allerdings heute noch nach – zumindest für zwei CSU-Politikerinnen. Diese haben heute einen offenen Brief an die Organisatoren der Protestaktion „Achtung Kultur“ veröffentlicht. Mit der Überschrift – Achtung Kultur! – hatten sich im Dezember verschiedene Kulturschaffende kurz vor der Dezember-Stadtratssitzung ihrem Ärger darüber Luft gemacht, dass der Stadtrat diverse Kürzungen im Kulturbereich beschlossen hatte. Simona Rottenkolber und Stefanie Kürten wollen den Duktus ändern und appellieren an die Kreativbranche kreativer mit der finanziellen Lage der Stadt umzugehen.
Offener Brief an „ACHTUNG KULTUR“ (unverändert aus der Pressemitteilung kopiert)
Von Simona Rottenkolber und Steffi Kürten, CSU
Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter von „Achtung Kultur“, manchmal muss man die Dinge erst verarbeiten, um zu reagieren. Mit einiger Verwunderung haben wir die Demonstration vor der letzten Stadtratssitzung 2025 zur Kenntnis genommen. Was genau sollte uns das sagen? Will „Kultur“ einseitig von den Sparmaßnahmen einer inzwischen hoffnungslos unterfinanzierten Stadt ausgenommen werden? Das hätte zur Folge, dass in anderen Bereichen mehr eingespart werden müsste. Zum zweiten Mal weist der Haushalt eine massive Unterdeckung von aktuell 80 Millionen Euro auf. Im Jahr zuvor waren es 110 Millionen, die damals noch mit dem letzten Rest aus dem Vermögenshaushalt ausgeglichen werden konnten – Geld, das eigentlich in Investitionen wie Schulbauten, Theatersanierung u.ä. hätte fließen sollen.
Und dennoch, unsere Botschaft lautet: Fürchte dich nicht! Es wird weitergehen, nur eben anders. Klar ist, Ingolstadt ist auf die Bedarfszuweisungen der Regierung von Oberbayern angewiesen und an diese Gelder sind Bedingungen beziehungsweise ein Sparzwang geknüpft. Nichts tun und auf ein Wunder hoffen, geht nicht! Ja, es wird weitere Kürzungen geben. Aber während der Stadtrat und die Verwaltung sich damit beschäftigen, wo genau wir abspecken, um uns gesund zu sparen, rufen wir die Bürgerschaft und natürlich auch „Achtung Kultur“ dazu auf, sich neu aufzustellen. Aus unserer Sicht helfen Jammern und Demonstrationen gar nichts. Lasst uns gemeinsam und auf Augenhöhe Lösungen finden und den Kopf nicht in den Sand stecken. Es wird sich vieles ändern, aber es werden auch neue Kräfte freigesetzt. Low-Budget Lösungen führen wieder zurück zu mehr Gemeinsinn, Eigenengagement und Verantwortung. Jeder einzelne ist gefragt! Auch Stadtrat und Stadtverwaltung, die nicht über die Köpfe aller hinweg entscheiden werden, sondern im engen Austausch mit der Bürgerschaft bleiben! Das ist zumindest unsere Vorstellung einer auch in Zukunft agilen und lebendigen Stadt!
Das Ziel ist, bis 2030 wieder ohne Bedarfszuweisungen auszukommen und aus eigener Kraft heraus agieren zu können.
In ALLEN Bereichen werden Förderungen und Leistungen sukzessive zurückgefahren. Sport, Freizeit, Feuerwehr, ÖPNV, Personal, Kultur, Bildung, Soziales… ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird. Auch um in „unabwendbare“ Baumaßnahmen investieren zu können, muss uns die Regierung von Obb. Kredite gewähren und – by the way – unserer Interpretation von „unabwendbar“ folgen. Bis 2030 werden hier etliche Millionen Schulden aufgebaut, die natürlich zurückgezahlt werden müssen.
So oder so kann das nur gelingen, wenn wir als Stadtgesellschaft zusammenstehen. Der Sparzwang wird uns noch viel abverlangen. Wir empfinden es als unpassend, in einer solch ernsten Situation mit Streik und Demonstrationen zu operieren und den Duktus vom „Kaputtsparen“ aufrecht zu erhalten. Sparmaßnahmen im kulturellen Bereich sind nicht der mangelnden Achtung geschuldet. Wir haben keine andere Chance.
Fakt ist: Die Kultur ist ein wichtiger Baustein, neben vielen anderen. Nicht mehr, nicht weniger! Lasst uns gemeinsam als Bürgerschaft diesen eingeschlagenen Weg gehen, in Respekt und Achtung voreinander! #Mission Ingolstadt: Wir nehmen die Herausforderung an!